Die historische Entwicklung der Eichsfeldmusikanten

Im August 1962 trat in Worbis erstmals die neu gegründete Blaskapelle des VEB Möbelkombinates Erfurt, Betriebsteil Worbis unter der Leitung von Karl Föllmer öffentlich in Erscheinung. Im Jahr 1978 gab Karl Föllmer die Leitung der Blaskapelle aus gesundheitlichen Gründen an Dietmar Gröner ab. Karl Föllmer leitete noch ca. 1½ Jahre die Kapellenproben und musste auch damit aus gesundheitlichen Gründen aufhören.

Unter der Leitung von Karl Föllmer regierte das Motto “Klasse durch Masse”. So gehörten zeitweise bis zu 30 Musiker zur Blaskapelle.
Unter der Leitung von Dietmar Görner kristallisierte sich dann nach und nach ein etwas anderes Motto heraus: “Klasse statt Masse”. Teilweise aber auch notgedrungen durch das Ausscheiden einiger Kapellenmitglieder aber auch bewusst gewollt, wie der Verzicht auf Saxophone im Klangkörper, dem Einsatz eines kompletten Schlagzeugs bei konzertähnlichen Auftritten sowie die Darbietung von Gesang zur Blasmusik.

Das Hauptproblem in dieser Zeit war der Ort unserer Proben. Der VEB Möbelmombinat Erfurt, Betriebsteil Worbis, auch kurz Holzwerk Worbis genannt, hatte nicht mehr das Interesse an einer Betriebskapelle. So organisierte Dietmar Görner im VEB Robotron eine Probenmöglichkeit und so löste sich die Blaskapelle im gegenseitigen Einvernehmen vom Holzwerk Worbis. Robotron ließ uns in der Betriebskantine proben, war jedoch nicht an einer Betriebskapelle interessiert. So kam es, dass die namenlose Blaskapelle aus Worbis schon 9 Jahre vor der Wende ohne jegliche betriebliche Unterstützung auskommen musste.
In diese Zeit fielen auch unsere ersten Versuche, einige Titel aus dem Repertoire mit Gesang darzubieten. Erstmals führten wir bei einem Auftritt zur Kirmes in Deuna 1983 zwei Titel mit Gesang auf.

Beschwerden von Schichtarbeitern, dass sie in ihren Pausen durch den Lärm der Blaskapelle gestört wären, führten dazu, dass auch VEB Robotron 1985 das Proben in ihrer Betriebskantine nicht mehr gestattete. Dietmar setzte daraufhin die Proben in seinem Wohnzimmer an. Dort probten wir über eine lange Zeit und studierten viele neue Titel ein.

Während dieser Zeit wurde auch immer häufiger diskutiert, dass wir auch einen Namen brauchten. Viele Vorschläge gab es und keiner passte so richtig. Bis wir uns schließlich auf den Namen “Eichsfeldmusikanten” einigten. Wir waren der Meinung, dass dieser Name uns als Blaskapelle am Besten beschrieb, denn wir waren zu diesem Zeitpunkt 14 Musiker aus 8 Ortschaften, die sich mehrheitlich mit dem Eichsfeld identifizierten, obwohl damals dem Eichsfeld als solches keine große politische Bedeutung zugestanden wurde. Politisch gab es im Bezirk Erfurt die Kreise Worbis und Heiligenstadt. Erst mehrere Jahre später erreichte das Eichsfeld seinen früheren Status wieder.

Im Jahr 1985 stellten wir beim Kreiskabinett für Kulturarbeit schriftlich den Antrag, dass sich die ehemalige Blaskapelle des MKE Worbis künftig “Eichsfeldmusikanten” nennen möchte. Mit Schreiben vom 22. Juli 1985 erhielten wir vom Kreiskabinett die Zustimmung.

Die Blaskapelle bestand zu diesem Zeitpunkt aus 14 Musikern. Gründungsmitglieder waren: Dietmar Görner (Trompete, Kapellenleiter), Stephan Hentrich (Trompete), Gerald Große (Trompete), Rudolf Glöckner (Trompete), Rainer Tüngerthal (Tenorhorn), Leander Gatzemeier (Tenorhorn), Helmut Biebeler (Tenorhorn), Helmut Beume (Querflöte), Ulrich Steinmetz (Querflöte), Stephan Kruse (Klarinette), Helmut Heisler (Tuba), Gerd Hahn (Akkordeon), Jens Gumz (Schlagzeug), Ronny Senft (Schlagzeug).

Im September 1985 übernahm dann Helmut Biebeler die Leitung der Blaskapelle. Zeitlich gesehen war Stephan Kruse (Klarinette) der erste, der den Dienst bei den Eichsfeldmusikanten quittieren musste. Er hatte seinen letzten Auftritt bei uns beim Kirmesumzug in Gernrode am 20. Oktober 1985.

Im Winter des gleichen Jahres legten sich die Eichsfeldmusikanten erstmals einheitliche Kleidung zu. Ein Dunkelbrauner Rundstrickanzug mit Weste, maßgenscheidert vom Schneidermeister Gödecke aus Worbis. Zur Ringaukirmes in Leinefelde am 29. Juli 1986 hatte Gerald Große (Trompete) seinen letzten Auftritt mit den Eichsfeldmusikanten.

Auftritt zum Leinefelder Brunnenfest im Sommer 1986

Im Jahr 1987 konnte Helmut Biebeler den Leiter des STK Leinefelde überzeugen, die Eichsfeldmusikanten als Betriebskapelle aufzunehmen. Wir erhielten einen eigenen Proberaum mit Abstellmöglichkeit für unsere Ausrüstung sowie zu unserem Anzug einen Zimmermannsanzug mit Hut und Weste, den wir jedoch nur bei Auftritten für das STK getragen haben.
In dieser Zeit schieden leider Ullrich Steinmetz (Querflöte) und Gerd Hahn (Akkordeon) aus. Gleichzeitig mit dem letzten Auftritt von Gerd Hahn konnten wir Martin Wiedenbruch als neuen Akkordeonspieler für uns gewinnen. Martin hatte seinen ersten Auftritt am 15. Mai 1988 zum Frühlingsfest in Breitenbach. Im Jahr 1988 verließ Ronny Senft (Schlagzeug) unsere Blaskapelle.

1990 legten sich die Eichsfeldmusikanten dann die erste Verstärker- und Gesangsanlage zu. Im selben Jahr wurde das STK Leinefelde aufgelöst und somit musste wieder ein neuer Proberaum gefunden werden. Die Eichsfeldmusikanten schlossen eine Vereinbarung mit der neu wiedergegründeten Schützengesellschaft Worbis ab, wodurch wir das alte Schützenhaus mit Ofenheizung zu Proben nutzen konnten.

Im Jahr 1991 schieden wieder zwei Gründungsmitglieder aus, Helmut Heisler (Tuba) und Rudolf Glöckner (Trompete). Durch das Engagement von Dietmar Görner konnte Kerstin Hartmann als Sängerin für die Eichsfeldmusikanten gewonnen werden.

1992 war für die Eichsfeldmusikantenein sehr aktives Jahr. Wir legten uns eine neue einheitliche Kleidung in Form von grünen Hosen, weißen Trachtenhemden und Halsbändchen zu. Außerdem nahmen wir im Tonstudio Harmonie in Staufenberg-Dahlheim bei Kassel die Musiktitel für die Produktion einer Musikkassette auf.

Die Eichsfeldmusikanten mit neuer Kleidung (Besetzung Produktion Musikkassette)

Im Jahr 1994 legten wir uns das heute noch aktuelle Outfit zu: Rote Weste, schwarze Hose, weißes Hemd und Bändchen.

Ende 2004 stand das weiter Überleben der Eichsfeldmusikanten auf dem Spiel. Michael Gebhardt (Tuba) und Stephan Hentrich (Trompete) verließen die Kapelle. Mit nur noch einer Trompete und ohne Tuba waren wir vorerst nicht mehr spielfähig. Nach intensiver Suche konnten Ralf Patzschke (Tuba) sowie Christian Fliegner und Christian Löffelholz (Trompete) als neue Kapellenmitglieder gewonnen werden. Es folgten einige Monate in denen intensiv geprobt und geübt wurde, bevor die Eichsfeldmusikanten zum Wohngebietsfest in Worbis 1995 den ersten Auftritt in neuer Besetzung spielen konnten.

1996 erhielten wir nach mehr als 10-jähriger Klarinettenabstinenz die erste Verstärkung unserer Holzpartie durch Gerald Peters. Im Jahr 1997 zur Holunger Kirmes sang Kerstin Leister leider das letzte Mal mit den Eichsfeldmusikanten. Sie war bei uns nicht nur Sängerin, sondern verstärkte bei Festumzügen auch unsere Schlagwerkpartie.
Bis über die Jahrhundertwende gab es nun eine konstante Besetzung, in der wir viele neue Musikstücke ins Repertoire aufnahmen, neue Wege in der Blasmusik testeten und einschlugen.

Im Jahr 2000 schied Leander Gatzemeier (Tenorhorn) aus unserem Klangkörper aus. Außerdem hatte Dietmar Görner (Trompete) zum Kirmesständchen in Wintzingerode seinen vorerst letzten Auftritt als Eichsfeldmusikant. Dietmar übernahm die musikalische Leitung bei den Nisse-Musikanten seines Heimatortes Hundeshagen. Ab 1999 traten Elisabeth Gumz (Klarinette) und Stephan Hentrich (Trompete) bei großen Veranstaltungen oder als Aushilfe immer öfter mit uns auf. Beide waren zu der Zeit Mitglieder in der Blaskapelle Birkungen.
Mit dem Eintritt in unsere Kapelle Anfang 2002 hatte dann Stephan Hentrich sein zweites Comeback als Eichsfeldmusikant und Elisabeth Gumz als solcher ihren ersten Auftritt beim Frühlingsfest in Worbis. Leider verließ im gleichen Jahr Martin Wiedenbruch (Akkordeon) die Eichsfeldmusikanten.

Mehrere Versuche die uns nun fehlenden Sänger durch eine neue Frauenstimme zu ersetzen schlugen fehl. Als sich dann 2003 Tanja Ellendt als mögliche Sängerin für uns anbot folgte wieder eine Zeit der intensiven Proben. Beim Feuerwehrfest in Bockelnhagen hatte Tanja dann ihren ersten Auftritt mit den Eichsfeldmusikanten. Nach dem Abschluss ihres Studiums im Jahr 2004 zog sie jedoch berufsbedingt nach Naumburg und konnte uns leider nicht mehr unterstützen.

Neue Besetzung der Eichsfeldmusikanten mit Sängerein Tanja

In Anbetracht, dass Christian Fliegner und Christian Löffelholz (beide Trompete) nun Abitur, Wehrdienst und Studium abgeschlossen hatten und auf der Suche nach Arbeitsplätzen waren suchten wir nach einer Verstärkung im Trompetenbereich. So konnten wir Christoph Wagner (Trompete) gewinnen, der im Juni 2004 seinen ersten Auftritt mit den Eichsfeldmusikanten hatte.
Vom 8. bis 10. April 2004 führten wir mit dem Tonstudio Zedlitz Aufnahmen für die Produktion einer CD durch. Das Ergebnis war die Jubiläums-CD “Komm ein bißchen näher” zum 20-jährigen Bestehen der Eichsfeldmusikanten. Diese CD enthält auch fünf eigene Titel, die von Gerald Peters (Klarinette) komponiert und getextet wurden.
Am 13. und 14. August 2005 feierten die Eichsfeldmusikanten dann ihr 20-jähriges Bestehen im Bügerhaus Holungen mit zahlreichen befreundeten Kapellen und Gästen.

Nach 2005 mussten uns bedingt durch Studium oder Wechsel der Arbeitsstelle Christoph Wagner und Christian Fliegner (beide Trompete) verlassen. Soweit es ihm zeitlich möglich ist, versucht Christian noch uns als Aushilfe zu unterstützen. Um so mehr waren wir froh, dass wir mit Frank Mumdey (Bariton) und Bernd Tischer (Tuba) zwei neue Kapellenmitglieder gewinnen konnten.

Am 25. April 2010 feierten wir, wieder mit einem Blasmusikfest im Bürgerhaus in Holungen, unser 25-jähriges Bestehen. Neben zahlreichen Gästen konnten wir wieder befreundete Kapellen und Musikvereine begrüßen. So traten die Zeitzer Blasmusikanten, die Hainleite Musikanten aus Großlohra, die Westerwald-Musikanten, die Original Brehmer Blasmusikanten, die Blaskapelle Estanas sowie die Feuerwehrkapelle Breitenholz auf.

Einen unser “schwersten” Auftritte hatten wir am 14. August 2011. Für uns alle sehr plötzlich verstarb am 13. August 2011 unser Gründungsmitglied Helmut Beume (Querflöte). Er hat mit seiner Stimme und seiner Querflöte die Musik der Eichsfeldmusikanten maßgeblich mit geprägt. Sein Tod war für uns ein sehr schmerzlicher Verlust, den wir musikalisch nicht so einfach verkraftet haben.

Ende des Jahres 2011 musste uns, bedingt durch einen beruflichen Wechsel nach Aachen unsere Klarinettistin Elisabeth Gumz verlassen. Trotz der großen Entfernung ist sie bemüht, die Eichsfeldmusikanten zumindest aushilfsweise weiter zu unterstützen.

Schon im Jahr 2014 mussten wir einen weiteren schweren Verlust in unserer Kapelle verkraften. Unser früherer Kapellenleiter und langjähriges Kapellenmitglied Dietmar Görner verstarb nach schwerer Krankheit am 2. Juni 2014. Mit ihm haben wir nicht nur einen sehr guten und engagierten Trompeter und Sänger verloren, sondern auch einen lieben Freund. Seine Herzlichkeit und seine heitere Gelassenheit werden uns stets in guter Erinnerung bleiben.